Lärmschutz – passiv und aktiv gegen den Krach

Lärmschutz ist gerade bei Bauarbeiten für Anwohner ein großes Thema.

Lärmschutz ist gerade bei Bauarbeiten für Anwohner ein großes Thema.

Lärm in unserer Umwelt kann uns krank machen. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wie laut ein Geräusch tatsächlich ist, um als Lärm empfunden zu werden. Es muss also kein Fluglärm sein oder dröhnender Verkehr auf den Straßen, um subjektiv als Lärm empfunden zu werden. Was aber kann gegen Lärm getan werden? Und wo liegt dabei der Unterschied zwischen passivem und aktivem Lärmschutz?

In unserem Ratgeber befassen wir uns mit diesen Fragen und klären, wie es rechtlich bei Lärmbelästigung durch Bauarbeiten und in der Nachbarschaft aussieht. Auch gehen wir der Frage nach, wie dagegen vorgegangen werden kann.

Dabei wird die ein oder andere Lärmschutzverordnung vorgestellt, da es derer viele gibt, denn Lärmschutz bedeutet auch Naturschutz.

Lärmschutzmaßnahmen

Im Prinzip gibt es zwei grundlegende Herangehensweisen für Maßnahmen gegen Lärm. Zum einen können Gesetzgeber und Industrie aktiv gegen das Aufkommen von übermäßig lauten Geräuschemissionen vorgehen. Eine Lärmschutzverordnung, die Lärmgrenzwerte festlegt und technische Weiterentwicklungen für leisere Geräte fallen beispielsweise unter diese Kategorie.

Wenn die Umwelt der Menschen trotzdem zu laut ist und sie sich selber schützen müssen, können sie meist nur passiv gegen den Krach vorgehen. Lärmschutzwände, -zäune und -fenster sind Ausdruck dieser Form des Lärmschutzes.

Aktiver Lärmschutz

Das Ministerium des Bundes für Umwelt setzt sich nach eigener Aussage auf EU-Ebene dafür ein, dass für Lärmpegel aller Bereiche Grenzwerte festgelegt werden, um die Industrie gesetzlich zur intensiven Forschung auf diesem Gebiet zu verpflichten. Autos und Maschinen für Industrie und Haushalt sollen also immer leiser werden. Straßenbelege, Autoreifen oder andere Materialien sind demnach schallisolierend zu konstruieren, sodass die Schallwellen in geringerem Maße an die Umwelt abgegeben werden.

Wenn Lärm an der Quelle bekämpft wird, handelt es sich um aktiven Lärmschutz.

Für Rasenmäher greift die Lärmschutzverordnung für Geräte und Maschinen. Doch in der Stadt müssen Sie immer mit etwas Lärm leben.

Für Rasenmäher greift die Lärmschutzverordnung für Geräte und Maschinen. Doch in der Stadt müssen Sie immer mit etwas Lärm leben.

Passiver Lärmschutz

Der Lärmschutz auf der Autobahn sollte also zunächst beim Straßenbelag für die Fahrbahn, bei den Reifen und Motoren der Fahrzeuge ansetzen. Führt die Schnellstraße jedoch zu nah an bewohnten Gebieten entlang, so genügt dies kurzfristig nicht. Um den Lärmschutz in einem Wohngebiet zu garantieren, welches von Verkehrslärm betroffen ist, werden in der Regel Lärmschutzmauern errichtet, die den Schall ablenken.

Der Lärm ist also noch da, wird jedoch nach Möglichkeit von den Menschen ferngehalten.

Gegen „nur“ subjektiven Krach muss der Lärmschutz vom Gepeinigten selbst ausgehen. Er kann sich beispielsweise mit Ohrenstöpseln schützen. Dieser Lärmschutz für die Ohren ist die unmittelbarste Form des passiven Schallschutzes, denn er setzt direkt an den Sinnesorganen des Betroffenen an.

Wenn Lärmschutzelemente gegen bestehenden Lärm eingesetzt werden, handelt es sich um passiven Lärmschutz.

Was laut Bundesimmissionsschutzgesetz gegen Lärm unternommen wird

Lärm und Lärmschutz werden in ihren Details in unzähligen Verordnungen geklärt. Jede Gemeinde kann letztlich eine eigene Lärmschutzverordnung für unterschiedliche Lebensbereiche festlegen. Bußgelder wegen Lärmbelästigung sind demnach in der Regel Ländersache.

Auf Bundesebene legt das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) fest, dass Lärmgutachten und Aktionspläne aufgestellt werden müssen, um längerfristig gegen diese Beeinträchtigungen vorgehen zu können. In den Paragraphen 47c und 47d BImSchG werden die zuständigen Behörden (welche regional verschieden sein können) zur Erstellung von „Lärmkarten“ und „Lärmaktionsplänen“ verpflichtet.

Diese Lärmschutzgutachten sind oftmals passiver Natur, da sie die vorhandene Schallentwicklung beispielsweise durch Baumaßnahmen nicht verhindern, jedoch erträglicher machen sollen.

Lärmschutzverordnungen

Doch nicht nur das Bundesimmissionsschutzgesetz, sondern auch so manche Lärmschutzverordnung ist auf Bundesebene gültig. So besagt etwa die Landeplatz-Lärmschutzverordnung (Landeplatz-LärmschutzV), dass Propellorflugzeuge und Segler wochentags nicht vor 7:00 Uhr und nicht zwischen 13:00 Uhr und 15:00 Uhr starten dürfen. Auch nach Sonnenuntergang sind solche Flugstarts untersagt, um Fluglärm zu vermeiden. Für große Flughäfen, von denen aus Waren- und Personentransporte stattfinden, gelten andere Bestimmungen.

Die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm“ (AVV Baulärm) von 1970 kann als Lärmschutzverordnung für Baulärm gelesen werden. Sie legt fest, welchen Geräuschpegel Baustellen auf Straßen in Wohngegenden entwickeln dürfen. Demnach darf dieser in vorwiegend bewohnten Gebieten nicht dauerhaft über 55 dB liegen. Für den Lärmschutz sollten die Maschinen entsprechend positioniert werden und den neuesten technischen Standards entsprechen.

Bauarbeiten müssen von den Anwohnern in der Regel bis 22:00 Uhr hingenommen werden.

Lärm in der Nachbarschaft

Lärmschutz: Kinder müssen in der Regel "ausgehalten" werden. Das gilt auch für in der Nacht weinende Babys.

Lärmschutz: Spielende Kinder müssen in der Regel „ausgehalten“ werden. Das gilt auch für in der Nacht weinende Babys.

Je mehr Menschen in einer Siedlung zusammenkommen, desto dichter wird der Verkehr und der Lärmpegel steigt. Die Anwohner arbeiten im Garten, deren Hunde äußern sich auf ihre Weise und auf dem Hof spielen Kinder. Ab wann Lärmschutz angebracht ist, liegt im Ohr des Hörers. Hundehalter werden sich durch bellende Vierbeiner nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen, während Kinderspiel in den Ohren der Eltern weniger dramatisch klingt.

Schließlich sollte gegenseitige Rücksichtnahme dazu führen, dass die Anwendung einer Lärmverordnung aufgrund von Nachbarschaftslärm nicht notwendig wird.

Lärmschutzzeiten sind oft in den Gemeinden unterschiedlich festgelegt. So müssen auf Spielplätzen zumeist Mittagsruhen eingehalten werden und auch die Entsorgung von Altglas ist nicht zu jeder Tageszeit erlaubt.

Lärmschutz in der Wohnung

Alltägliche Geräusche wie die Waschmaschine und der Staubsauger aber auch Kinder und Hunde müssen Nachbarn in der Regel bis zu einem gewissen Grad dulden. Dabei sollten die Geräuschentwickler aktiven Lärmschutz betreiben.

Die Waschmaschine rumpelt weniger, wenn man sie auf eine Filzmatte stellt. Musikboxen und Subwoofer können so aufgestellt werden, dass sie möglichst wenig Kontakt zu den Wänden haben, um die Übertragung der Schallwellen zu verringern. Auch Heizungsrohre sind Überträger von Geräuschen und können für den Lärmschutz gedämpft werden.

Als geräuschempfindlicher Nachbar können auch Sie die entsprechenden Wände dämmen. Außerdem können schalldichte Fenster und Türen dabei helfen, den Lärm zu minimieren. Mieter können durch Möbel die Schallwellen ablenken und so für Lärmschutz sorgen. Stellen Sie große Möbelstücke in einen Raum, wird dieser automatisch leiser, da der Schall gebrochen wird. Auch lange dicke Vorhänge können helfen.

Lärmschutz im Garten

Was dem einen seine Gartenarbeit, ist dem anderen nur Krach und Störung. Besonders an Laubbläsern und Rasenmähern entbrennen Nachbarschaftsstreits. Hinzu kommen nicht selten Uneinigkeit über die Entsorgung von Gartenabfällen.

Zwar gibt es keine eigene Lärmschutzverordnung für Rasenmäher oder Laubbläser, doch fallen diese Gartengeräte unter die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Demnach ist beispielsweise Rasenmähen sonntags eindeutig untersagt (§ 7 32. BImSchV)

Für den passiven Lärmschutz können Lärmschutzzäune und -tore aufgestellt werden. Diese sind jedoch in Anschaffung und Installation nicht gerade günstig. Für einen mittelgroßen Garten kommen schnell vierstellige Beträge zusammen.

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4 Kommentare

  1. sjöström sagt:

    an wen wende ich mich bitte? ich wohne in prenzlauerberg und habe starke Ohrenschmerzen von diesen Gartenarbeiten die mit sehr lauten Maschinen durchgeführt werden bestimmt bestimmt alle 1-2 Wochen über 5 stunden hinweg. ich finde es überhaupt nicht schlimm wenn man kein deutsch sprechen kann. nur kann es nicht sein das ich meine ohren kaputt machen lassen. ab 85 dB ( entspricht etwa einem Telefonsignal oder lautes Gespräch also weniger laut als ein Lkw, ca 90dB). Bessere Maschinen! Frauen in die Technologie? Tolerantere respektvollere Gartenarbeiter evtl andere? Am liebsten keine Gartenarbeiten und wenn, dann sollten solche Maschinen nicht zugelassen werden! als Musikerin wundere ich mich nicht wieso dann in clubs dann nur hardcore laut electro gehört wird… ???!

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo sjöström,

      solange die gesetzlichen Richtwerte eingehalten werden, haben Sie da wenig Chancen, etwas an der Situation zu ändern. Ggf. macht es Sinn mit demjenigen in Kontakt zu treten, der die Gartenbauarbeiten beauftragt hat. Dann könnte dieser Sie frühzeitig informieren, wann es wieder laut wird und Sie können sich dann der Situation entziehen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Ilona D. sagt:

    Mein Nachbar feiert mehrfach im Jahr große Partys.
    Diese gehen dann von 22Uhr bis früh 8 Uhr.
    Die Musik ist so laut, das schlafen nicht möglich ist.
    Ich habe schon mit Ohrstöpseln und im Keller schlafen versucht, keine Chance.
    Ich bin jetzt eigentlich so weit, das ich eine Anzeige machen muss um den Treiben
    eine Ende zu setzen. (Reden hilft leider nicht)
    was kann ich noch machen
    Ich würde mich über eine Antwort freuen
    viele Grüße
    llona D.

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo llona D.,

      Sie haben immer die Möglichkeit, eine Anzeige beim Ordnungsamt oder der Polizei einzureichen. Können Sie die Vorkommnisse anhand eines Lärmprotokolls rückwirkend darlegen, kann dies als Beweismittel verwenden werden. Auch mehrmalige Anzeigen der Ruhestörung während der Ruhezeiten sind möglich.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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