Atommüll und Endlager in Deutschland

Atommüll und die Suche nach einem Endlager

Radioaktiver Abfall: Wohin damit?

Atommüll muss in einem Endlager sicher gelagert werden

Atommüll muss in einem Endlager sicher gelagert werden

Wind, so sagt der Name, erzeugt durch Windkraftanlagen Strom; Solarzellen durch die Sonne. Hierbei entstehen kaum bis keine Abfallprodukte. Bei fossilen Brennstoffen verbrennen die Energieversorger Kohle und andere Materialien, um Strom zu produzieren.

Bei Kernenergie ist das anders. Hier fällt radioaktiver Abfall an, der nicht einfach entsorgt werden kann. Vielmehr suchen die Bundesregierung und mehrere formierte Kommissionen schon seit Jahren nach geeigneten Lagerungsmöglichkeiten, sogenannte Endlager.

Die Endlagerung von Atommüll: Ein Rückblick

Vor etwa 20 Jahren, im April 1995, verluden Mitarbeiter erste radioaktive Abfälle und schickten sie per Castor-Transport in das „Endlager“ Gorleben. Seit dieser Zeit hat sich nichts geändert. Zwar gründete die Regierung neue Zwischenlager, doch die Aussicht auf ein geeignetes Atommüll-Endlager scheint nicht in Sicht.

Was sind Castor-Transporte?

Der Begriff Castor ist ein Akronym für cask for storage and transport of radioactive material, also Behälter zur Aufbewahrung und zum Transport radioaktiven Materials.

Ein Castor-Behälter für Atommüll muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, da radioaktiver Abfall sehr giftig ist. Aus diesem Grund darf die atomare Strahlung, die vom Müll ausgeht, nicht in die Umwelt entlassen werden.

Die rechtliche Grundlage hierfür bildet das Atomgesetz in Deutschland. Der Inhalt des Gesetzes ist u.a. der Umgang mit den radioaktiven Stoffen sowie deren Abfallprodukten. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beschäftigt sich mit dem Umgang, Transport und der Lagerung vom Atommüll und sichert die Vorgänge ab.

Jeder Castor-Transport muss durch das BfS genehmigt werden. Eine weitere wichtige Institution in puncto radioaktiver Müll ist die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO, engl. International Atomic Energy Agency). Sie veröffentlicht Empfehlungen für die Endlagerung von Atommüll.

Deutschland hat diese Empfehlungen in das Atomgesetz übernommen. So lauten die Voraussetzungen für einen Castor-Behälter wie folgt:

  • Ein Castor-Behälter muss einem Aufprall aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament standhalten.
  • Der Behälter muss einem Aufprall aus einem Meter Höhe auf einen 15 Zentimeter dicken Bolzen aus Stahl (Stahldorn) standhalten.
  • Der Castor-Behälter muss ein 30-minütiges Feuer bei 800 °C aushalten.
  • Zudem soll der Behälter den Druck in 20 Metern Wassertiefe für acht Stunden durchhalten.
  • Eine Stunde muss der Castor-Behälter darüber hinaus einen Wasserdruck in 200 Metern Wassertiefe aushalten können.
Der Atommüll gehört in ein Endlager, dass nicht die Natur verschmutzt

Der Atommüll gehört in ein Endlager, dass nicht die Natur verschmutzt

Diese Tests werden noch durch andere ergänzt. Zudem wiegt ein mit Atommüll gefüllter Castor-Behälter 110 bis 125 Tonnen. Er besitzt zwei Deckel, die verhindern sollen, dass radioaktiver Abfall nach draußen und Staub etc. nach innen gelangt. Ein Behälter ist etwa 6 m lang, hat einen Durchmesser von 2,50 m, deren Wand von 45 cm dick ist. Ein Castor-Behälter kostet etwa 1,5 Millionen Euro.

Neben diesem Behälter diskutiert der deutsche Gesetzgeber noch über weitere Arten. Pollux ist ein Beispiel hierfür. Der Pollux-Behälter ist einer der möglichen Verpackungen, um die Endlagerung von Atommüll bewerkstelligen zu können.

Seit dem 1. Juli 2005 sind Castor-Transporte untersagt, die zur Wiederaufbereitung der radioaktiven Abfälle dienen. Vor diesem Datum wurde Atommüll mittels Castor-Transport nach Frankreich oder Großbritannien gebracht, um die Brennstäbe aufzubereiten. Das Atomgesetz verbietet dies jetzt jedoch.

Castor-Transporte werden immer dann durchgeführt, wenn radioaktiver Abfall in ein Zwischenlager gebracht wird. An diesen Tagen begleiten zehntausende Demonstranten die Transporte. Manche Gruppierungen versuchen den Castor-Transport auch zu verhindern, weshalb ein Transport manchmal über fünf Tage andauern kann.

Einige Castor-Transporte kommen auch aus Frankreich bzw. England und befördern ihren Atommüll nach Deutschland. Auch hier gab es viele Proteste, weshalb der letzte Zug im November 2011 über fünf Tage unterwegs war.

Wie entsteht Atommüll?

Radioaktiver Abfall wird laut Internationaler Atomenergie-Agentur in drei Gruppen kategorisiert:

  • schwachradioaktiv: keine Abschirmung bei Umgang und Transport nötig
  • mittelradioaktiv: Abschirmung nötig, jedoch keine oder kaum Kühlung
  • hochradioaktiv: Abschirmung und Kühlung nötig

Wenn radioaktiver Müll zerfällt, entsteht Wärme. Hochradioaktive Stoffe produzieren etwa 2 bis 20 Kilowatt pro m3. Die ersten beiden Gruppen entwickeln keine Wärme. Hierfür existieren bereits Atommüll-Endlager auf der Welt bzw. werden geplant. Das Atomendlager wird also für die letzte Gruppe von Atommüll gesucht. In Deutschland macht diese Kategorie etwa 10 Prozent des gesamten Atomabfalls aus.

Radioaktiver Abfall kann auch im Bauschutt vorhanden sein

Radioaktiver Abfall kann auch im Bauschutt vorhanden sein

Radioaktiver Müll entsteht überwiegend durch den Uranabbau (etwa 80 Prozent). Der größte Teil davon wird in der Nähe des Bergwerks deponiert. Hochradioaktiver Atommüll entsteht zudem größtenteils durch die Kernspaltung, welche bei der Stromerzeugung durchgeführt wird. Radioaktive Abfälle kommen neben der Nuklearindustrie auch aus der Nuklearmedizin sowie -forschung.

Als Atommüll gelten auch Werkzeuge, Geräte oder Bauschutt, die mit atomarer Strahlung kontaminiert wurden. Radioaktiver Abfall ist deshalb so gefährlich, weil die atomare Strahlung gesundheitsschädigend für Lebewesen ist.

Atomare Strahlung: Die Gesundheitsrisiken

Atomare Strahlung besteht aus Alpha- und Gammastrahlung. Beide wirken unterschiedlich auf den menschlichen Körper. Alphastrahlung ist auf kurze Distanz sehr aggressiv. Gammastrahlung benötigt hingegen länger, um seine gefährliche Wirkung zu zeigen.

Über größere Distanz kann diese Strahlung noch Krankheiten bewirken. Über die Haut dringen sie in die Haut ein und entfalten ihre Wirkung erst über einen längeren Zeitraum hinweg.

Atomare Strahlung ionisiert Moleküle anderer Stoffe bzw. Lebewesen. Das bedeutet, dass die Strahlung somit lebende Zellen zerstört oder verändert, sodass sie zu Krebszellen mutieren. Bei Röntgenaufnahmen beispielsweise kann der Körper radioaktive Zellen selbst abwehren und reparieren. Bei einer größeren Strahlung ist dies jedoch nicht mehr möglich.

Wird ein Körper lange atomarer Strahlung ausgesetzt, kann er innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen sterben. Die ersten Symptome sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und Müdigkeit. In besonders schlimmen Fällen verbrennt die Haut und wichtige Stammzellen werden vernichtet.

Die Folgen sind innere Blutungen und Infektionen, die langsam zum Tod führen. Bereits eine Strahlendosis von etwa zehn gleichzeitigen Computertomografien (CT) kann gefährlich für den Körper sein. Langfristige Erkrankungen sind Müdigkeit, Appetitlosigkeit und ein geschwächtes Immunsystem über Jahre hinweg. Die häufigste Krebserkrankung nach einer Bestrahlung von radioaktiven Stoffen ist Blutkrebs.

Wohin mit dem Atommüll: Endlager-Suche in Deutschland

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle ist nicht leicht. Aus diesem Grund gibt es noch kein einziges endgültiges Lager auf der Welt für hochradioaktiven Müll. Die Standortsuche beinhaltet mehrere Faktoren, die bedacht werden müssen.

Ein Beispiel hierfür ist die Zeit, die dieses mögliche Endlager überdauern muss. Dieses Problem hängt mit der Halbwertszeit von Atommüll zusammen.

Die Halbwertszeit (HWZ) gibt einen Zeitpunkt an, an dem eine Größe die Hälfte des anfänglichen Wertes annimmt. Die HWZ besagt also bei Atommüll, wann die atomare Strahlung um die Hälfte gemindert bzw. zerfallen ist. Dabei beschreibt die HWZ den Aktivitätsverlust, also den Zerfall der Radioaktivität.

Die Halbwertszeit von Atommüll kennt verschiedene Zahlen. Uran bspw. hat erst nach 700 Mio. Jahren die Hälfte seiner Radioaktivität erlangt.

Die Halbwertszeit von Atommüll kennt verschiedene Zahlen. Uran bspw. hat erst nach 700 Mio. Jahren die Hälfte seiner Radioaktivität erlangt.

Die Halbwertszeit von Atommüll ist unterschiedlich lang. Plutonium beispielsweise, welches als Brennstoff für Kernenergie genutzt wird, hat eine Halbwertszeit von 81 Jahren.

Ein Isotop von Uran, welches für Kernreaktoren benötigt wird, hat eine HWZ von sogar 700 Millionen Jahre. Nach dieser Zeit ist nur noch die Hälfte der Radioaktivität des Stoffes vorhanden.

Das bedeutet, dass eine Anforderung an ein endgültiges Lager ist, dass es, grob gesagt, 700 Millionen Jahre überdauern muss.

Die US-amerikanische Atomic Energy Commission hatte vor ihrer Auflösung in 1975 folgende geologische Bedingungen an ein Endlager gestellt:

  • Die Mindesttiefe muss 3 km betragen.
  • Die Region sollte unbewohnt sein.
  • Es dürfen keine Erhebungen in der Nähe sein.
  • Das Endlager darf keine Verbindung zwischen den unteren Gesteinsschichten und dem Wassersystem an der Oberfläche besitzen.
  • Zudem muss das Lager keine geologischen Strukturen wie etwa Spalten aufweisen.
  • In der Region darf keine Erdbebengefahr bestehen.
  • Zusätzlich muss der Standort gewöhnliches Gestein besitzen, welches wirtschaftlich keine Bedeutung besitzt.

Derzeit bestehen nur Atommüll-Zwischenlager, bei denen der Abfall nur für einen bestimmten Zeitraum verweilt. Danach soll er in ein Endlager für Atommüll. Die Endlagerung vom Atommüll gestaltet sich jedoch schwierig, da bisher noch niemand weiß, welches Gestein für die Lagerung geeignet ist.

Derzeit wird über den Schacht Konrad als mögliches Endlager diskutiert. Das mögliche Endlager Konrad ist ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk, welches mitten im Stadtgebiet Salzgitter liegt.

Die Zeit, um ein für den Atommüll geeignetes Endlager zu suchen, läuft ab. Derzeit ist der Schacht Konrad im Gespräch.

Die Zeit, um ein für den Atommüll geeignetes Endlager zu suchen, läuft ab. Derzeit ist der Schacht Konrad im Gespräch.

Derzeit wird der Schacht Konrad umgebaut, um in mehreren Jahren als Endlager zu dienen. Die Atommüll-Entsorgung kann in Deutschland nach diversen Forschungen in Salz-, Ton- oder Granitgestein erfolgen. Letzteres ist jedoch zu zerklüftet in Deutschland vorhanden, sodass nur Salz- und Tonschächte infrage kommen.

Neben dem möglichen Endlager Konrad kommt auch Gorleben als Endlager infrage. Seit langer Zeit prüft die Bundesregierung, ob der Salzstock Gorleben als endgültige Lagermöglichkeit geeignet ist. Derzeit wird der Salzstock im Osten Niedersachsens als Atommüll-Zwischenlager genutzt. Bereits 1979 unternahmen die damaligen Minister erste Erkundungen, um das mögliche Endlager Gorleben zukünftig zu nutzen.

Doch auch hier protestieren einige Anti-Atomstrom-Bewegungen. Bürgerinitiativen gründeten sich und Forscher stritten die Möglichkeit von Gorleben als Endlager ab.

Morsleben war auch kurzzeitig als Endlager im Gespräch. Das ehemalige Kali- und Steinsalzbergweg in Bartensleben in Sachsen-Anhalt wurde bereits in der DDR als Atommüll-Zwischenlager genutzt. Heutzutage ist die Endlagerung von Atommüll ausgeschlossen. Das „Morsleben-Endlager“ befindet sich in der Schließung. Die Befüllung und Sicherstellung des Bergwerks soll etwa 15 bis 20 Jahre andauern.

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4 Kommentare

  1. Helga sagt:

    Die Suche betreffs eines Endlagers werden verschleppt und dauern nun schon Jahrzehnte. Es wäre sinnvoll, dass man weltweit nach einer sinnvollen und umweltfreundlichen Lösung sucht, um auch weltweit die Menschen vor der Strahlung zu schützen.

  2. Helga sagt:

    Mir ist bisher unklar, wieso die Atomkraftwerke entstanden sind und betreffs der Entsorgung von Atommüll zu diesem Zeitpunkt man sich keine Gedanken gemacht hat und nichts unternommen hatte. Bei einer Planung eines Atomkraftwerkes muss doch auch die Entsorgung des Atommülls vorher geklärt sein. Und wenn nicht, dann kann solch einem Bau auch nicht zugestimmt werden, wenn es keine Lösungen gibt.
    Die Fehler, die gemacht worden sind, hat man betreffs Lösungen zuweit in die Zukunft verschoben, obwohl die Probleme bereits mit der Entstehung von Atomkraftwerkenvor der Haustür lagen. Hier habe ich kein Verständnis dafür.

  3. Helga sagt:

    Wir haben weltweit so viele Atomkraftwerke, die Atommüll erzeugen und der auch entsorgt werden muss. Vielleicht können Forscher auch aus anderen Ländern Lösungen zu Endlagern anbieten, die vielleicht weltweit gelten. Vielleicht braucht man keine Endlager, wenn durch die Forschung eine Lösung entwickelt wird, dass aus dem radioaktiven Material etwas Anderes entsteht? Meine Meinung ist, dieses Problem bei den Massen von Atomkraftwerken tatsächlich weltweit schnellstens und gemeinsam zu klären. Es handelt sich nicht nur um ein nationales Problem sondern auch um ein internationales, denn wir haben die Atomkraftwerke ja an unseren Grenzen.

  4. Helga sagt:

    Werte Leser, ich dachte, dass mir jemand antwortet. Das passiert hier aber nicht. Vielleicht bin ich auch zu dumm, und muss etwas anders machen oder sicherlich anders formulieren. Aber das Problem als solches kann man nicht ignorieren. Ich möchte heute auch nicht weiter darauf eingehen, denn es würde uns nichts bringen. Es gibt Probleme, die die Politiker nicht beherrschen (verständlicherweise wegen der fehlenden Sachkenntnis) aber wir Bürger haben doch auch ein Recht darauf zu erfahren, welche neuen Erkenntnisse es bezüglich der Entsorgung von diesem radioaktiven Müll gibt. Um diesen kleinen Beitrag zu schreiben bedurfte es mich sehr viel Mühe, weil andauernd mein Text und Schriftgröße verändert wurde.
    Ich verstehe das jetzt nicht mehr, da ich davon ausgegangen bin, dass ich mich auf einer sicheren Seite befinde.

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